Frankreichs Nachtleben erwacht

Das Leben in Frankreich scheint langsam wieder in die Normalität zurückzufinden. So wurde zum Beispiel die Maskenpflicht im öffentlichen Raum aufgehoben. Es kann jedoch auch weiterhin regionale Einschränkungen geben: Unter gewissen Umständen wie z.B. in öffentlichen Verkehrsmitteln und bei Menschenansammlungen bleibt der Mund-Nasen-Schutz auch weiterhin obligatorisch.

Der französische Gesundheitsminister Olivier Véran sorgte am 17. Juni mit einer weiteren überraschenden Nachricht für gute Stimmung, vor allem unter jungen Menschen und den Professionellen der Nachtszene: Anfang Juli werden die Diskotheken und Clubs wieder öffnen. Während in Deutschland eben erst die Testpflicht für Biergärten wegfällt, macht Frankreich damit einen großen Schritt.

Die Szene, die von Körperkontakt und ausgelassener Stimmung lebt, gilt als der große Verlierer der Pandemie. In Frankreich musste die Branche am 14. März 2020 als erste die Türen schließen. Anders als Kultureinrichtungen, Restaurants, Bars und Cafés, die von Mai bis Oktober letzten Jahres wieder öffneten, gab es während der letzten 15 Monate für die Nachtszene keinen Zeitplan zur Wiedereröffnung. Das sorgte für Unmut und blieb nicht ohne Konsequenzen. Laut den französischen Behörden haben bereits 250 der 1.600 registrierten Diskotheken die Etablissements aufgegeben, weitere hundert stehen vor dem finanziellen Ruin.

Am 30. April schlossen sich die verbliebenen Diskotheken und Nachtclubs zu einem Kollektiv zusammen und forderten die Regierung zum Handeln auf. In einem offenen Brief an den Staatschef Emmanuel Macron formulierten sie ihr Unverständnis und legten ihre Situation dramatisch dar: „Einige von uns denken sogar an Selbstmord.“

Die nächtliche Ausgangssperre, die aktuell von 23.00 Uhr bis 06.00 gilt, wird am 30. Juni aufgehoben. Diese Ankündigung, die im Mai zusammen mit Plänen zur Eröffnung von Restaurantbetrieben bekannt wurde, gab den Betreibern und Angestellten Grund zur Hoffnung. Doch sie mussten sich in Geduld üben.

„Wir arbeiten an einem strengen Hygieneprotokoll, um die Diskotheken ab Juli öffnen zu können“, bestätige der Gesundheitsminister Véran nun vier Wochen später nach Gesprächen zwischen der Nationalen Gewerkschaft der Nachtclubs und Freizeitlokale und der Regierung.

Wie genau dieses Hygieneprotokoll aussehen wird, ist aber noch unklar. Am 21. Juni, dem nationalen Festtag der Musik, werden sich die Nachtclub-Manager zu weiteren Gesprächen mit der Regierung treffen. Messgeräte, Sanitärpass, Belüftung, alle Maßnahmen werden in Betracht gezogen, um die Wiedereröffnung zu ermöglichen, aber „Die Bedingungen sollten nicht zu streng sein“, warnen die Chefs der Nachtclubs. Das würde die Menschen abschrecken und man müsse weitere Misswirtschaften verbuchen.  

Die Entscheidung das Nachtleben zum Sommer wieder stattfinden zu lassen, könnte auch mit den aktuellen Regionalwahlen zusammenhängen. Marine Le Pen gilt mit ihrer rechtspopulistischen Partei als härteste Gegnerin Macrons, der in Anbetracht der Präsidentschaftswahlen 2022 vor allem die jungen Wähler überzeugen möchte. Mit den strengen Einschränkungen, die seit Beginn der Pandemie beschlossen wurden und der Kritik, die er dafür geerntet hat, ist zu erwarten, dass diese Wahlen für Macron alles andere als leicht werden.

Veröffentlicht von Gio

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