Das Bidet

Covid 19 und das sagenumwobene Sitzwaschbecken

La toilette intime von Louis-Léopold Boilly (1761–1845)

In der aktuellen und internationalen Krise, ausgelöst durch das Virus Covid 19, ist die Analyse menschlichen Verhaltens besonders interessant. Um sich die Zeit während der Quarantäne zu vertreiben, empfehle ich einen Blick auf das kulturell bedingte „Krisen-Management“ (nennen wir es für den Moment mal so) verschiedener Nationen zu werfen.

Was passiert wenn der Hamster-Modus europaweit aktiviert wird?

Niederländer horten Cannabis, Franzosen lagern Rotwein, Italiener kaufen ganze Pasta-Stocks, wobei die nicht-geriffelten Penne, die auch zu normalen Zeiten verhasst sind, weil die Soße angeblich nicht gut haften bleibt, auch weiterhin zum Dasein des ewigen Ladenhüters verdammt sind….

Und Deutsche eben Klopapier. Warum Klopapier? Und warum kaufen Franzosen und Italiener keine Klopapier-Vorräte. Ist das Bidet des Rätsels Lösung?

Per Definition ist das Bidet ein niedrig montiertes Sitzwaschbecken, das zur Reinigung der Genitalien dient. Wir kennen es aus dem Urlaub in Italien oder Frankreich, als zusätzliches, von Deutschen oft fehlinterpretiertes „Fußwaschbecken“. Die Etymologie bringt unser Kopfkino zum flimmern: Bidet bedeutete im Altfranzösischen „kleines Pferd“. Musste man also, ähnlich wie beim reiten, regelrecht ‚aufsitzen‘ ? Das korrekte deutsche Wort „Dusch-WC“ ist etwas weniger kreativ, wirft etymologisch gesehen aber deutlich weniger Fragen auf.

Laut einer Studie des Zukunftsinstituts für Körperbewusstsein und Hygiene im Wandel verhält es sich mit dem Gebrauch des Dusch-WCs in Europa wie folgt:

Italien ist mit 97% tatsächlich Spitzenreiter, dicht gefolgt von Portugal mit 92% und Frankreich belegt Platz 3 des Podiums mit 42% . Deutschland und Großbritannien benutzen mit jeweils 6% und 3% definitiv lieber Klopapier. Die Bidet-Tradition im südlichen Europa lässt sich wahrscheinlich auf die Thermen-Kultur der Römer zurückführen. Eine andere Theorie des italienischen Kulturanthropologen Roberto Zapperi besagt, dass die Verbreitung des Bidet in Italien und Frankreich auf die katholische Kirche zurückzuführen sei, für die das das Dusch-WC lange Zeit als Verhütungsmittel galt.

Quod erat demonstrandum: Das Germanische und Romanische Hamsterverhalten in Krisensituationen lässt sich auf die kulturgeschichtliche Entwicklung des jeweiligen Landes zurückführen.

Anyway ist in Anbetracht der aktuellen Lage der Umstieg auf das Bidet sowohl aufgrund von Klopapier-Mangel als auch der Umwelt zur Liebe einen Versuch wert!

Veröffentlicht von Gio

Hi, ich bin Gio! Vielen Dank, dass du meinen Beitrag gelesen hast, ich hoffe er hat dir gefallen. Wenn du zu dem Thema auch etwas zu erzählen oder eine Frage hast, zöger nicht einen Kommentar zu hinterlassen oder mich direkt zu kontaktieren! 💁🏻

5 Kommentare zu „Das Bidet

  1. Als vorbildliche Allman habe ich das Bidet erstmals auch zum Füßewaschen benutzen wollen hahah. Ich erkenne den Nutzen des Sitz-Waschbeckens zwar an, bleibe aber auch lieber bei meinem Freund und Helfer, dem feuchten Toilettenpapier – also liebe Mitmenschen: Bitte nicht weghamstern!
    Hab mir aber auch schon gedacht, dass jetzt bestimmt auch die Deutschen zur Vorsorge vor der anstehenden Apokalypse nachträglich ein Bidet in den Bunker einbauen lassen.

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